Three Beauties of the Present Day by Kitagawa Utamaro, 1793

Drei Schönheiten der Gegenwart

Ein einziges Blatt Papier machte drei Frauen unsterblich: Drei Schönheiten der Gegenwart von Kitagawa Utamaro zeigte erstmals echte, namentlich bekannte Frauen aus dem Alltag Edos – keine Göttinnen, keine Fürstinnen, sondern eine Geisha und zwei Teehausbedienungen – und verwandelte sie in Ikonen einer ganzen Epoche.

Wichtige Fakten

Was macht dieses Werk unvergesslich?

Was Drei Schönheiten der Gegenwart so außergewöhnlich macht, ist seine Kühnheit. Utamaro porträtierte keine anonymen Idealfiguren – er nannte seine Modelle beim Namen. Die Geisha Tomimoto Toyohina sowie die Teehausbedienungen Naniwaya Kita und Takashima Hisa waren echte Persönlichkeiten, die die Einwohner Edos sofort erkannten.

Dadurch entstand etwas völlig Neues: ein Promi-Porträt im modernen Sinne. Das Publikum kaufte den Druck, weil es diese Frauen kannte, bewunderte und über sie sprach. Utamaro erfand damit eine Art visuellen Klatsch – elegant, aber unmissverständlich populär.

Zugleich erreicht das Werk eine kompositorische Raffinesse, die weit über seinen Unterhaltungswert hinausgeht. Die drei Gesichter bilden ein stilles, harmonisches Dreieck – eine Anordnung, die Gleichgewicht suggeriert und dennoch jede Figur in ihrer Eigenart bestehen lässt.

Historischer Kontext

Japan befand sich 1793 mitten in der Kansei-Ära, einer Zeit strenger Reformen unter dem Shogun Matsudaira Sadanobu. Die Regierung wollte Luxus und Ausschweifung eindämmen – und trotzdem boomte die Druckgrafik in Edo wie nie zuvor.

Der Ukiyo-e-Holzschnitt war das Massenmedium seiner Zeit. Günstig, leicht transportierbar und bunt bedruckt erreichte er Menschen aller Schichten. Künstler wie Utamaro erkannten das Potenzial und nutzten es, um neue Themen zu etablieren: Schönheit, Alltag, Begehren und Identität.

Gleichzeitig erlebte die Porträtgattung Bijin-ga – Bilder schöner Frauen – ihren Höhepunkt. Utamaro war ihr wichtigster Vertreter. Mit Drei Schönheiten der Gegenwart überschritt er jedoch eine Grenze: Er verband das Ideal mit dem Realen und machte lebende Frauen zu Kunstobjekten, die von Tausenden betrachtet wurden.

Symbolik und worauf man achten sollte

Wenn man vor dem Druck steht, fällt zuerst die Komposition auf. Die drei Köpfe sind eng aneinandergerückt – fast ohne Abstand. Das erzeugt eine Intimität, als würde man ein heimliches Gespräch belauschen.

Achten Sie außerdem auf die Linienführung. Utamaros Konturlinien sind von bemerkenswerter Feinheit. Mit wenigen Strichen formt er Wangenknochen, Halslinie und Lippenform – alles klar, nichts überladen.

Die Farbgebung ist bewusst zurückhaltend. Zarte Rosatöne, gebrochenes Weiß und weiche Grautöne dominieren. Kein grelles Rot, kein starkes Blau. Diese Zurückhaltung unterstreicht die Eleganz der dargestellten Frauen.

Schließlich lohnt sich ein Blick auf die Haartracht und die Kleidung. Jede der drei Frauen trägt ihre Frisur und ihr Gewand auf eine leicht andere Weise. Diese kleinen Unterschiede signalisierten dem zeitgenössischen Betrachter sofort den Status und die Persönlichkeit jeder Frau – eine codierte Sprache, die das Edo-Publikum mühelos las.

Über Kitagawa Utamaro

Kitagawa Utamaro wurde um 1753 geboren, wahrscheinlich in Edo. Er lernte sein Handwerk bei dem Meisterkünstler Toriyama Sekien und entwickelte bald einen unverwechselbaren Stil: weiche Linien, psychologische Tiefe und ein außergewöhnliches Gespür für weibliche Schönheit.

In den 1790er-Jahren stand er auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Sein Verleger Tsutaya Juzaburo erkannte früh sein Talent und förderte ihn gezielt. Zusammen produzierten sie Serien, die Edo in Begeisterung versetzten.

Doch Utamaro lebte gefährlich. 1804 wurde er verhaftet, weil ein Druck politisch als anstößig galt. Er starb 1806, nur zwei Jahre später. Sein Werk aber überlebte ihn und beeinflusste die Kunstwelt weit über Japan hinaus.

Vermächtnis und Einfluss

Drei Schönheiten der Gegenwart wirkte wie ein Katalysator. Der Druck zeigte, dass Kunst und Massenkultur keine Gegensätze sind – im Gegenteil. Er inspirierte spätere Ukiyo-e-Künstler, ebenfalls reale Persönlichkeiten zu porträtieren.

In Europa entdeckten Impressionisten wie Edgar Degas und Claude Monet Utamaros Werk im späten 19. Jahrhundert. Seine flachen Flächen, der kühne Bildausschnitt und die Konzentration auf weibliche Figuren hinterließen deutliche Spuren im Japonisme-Bewegung.

Heute gilt Drei Schönheiten der Gegenwart als Schlüsselwerk der Ukiyo-e-Geschichte. Es taucht in Ausstellungskatalogen, Lehrbüchern und Museumsführern rund um die Welt auf – und beweist, dass ein einfacher Holzschnitt Jahrhunderte überdauern kann.

Wo ist das Werk heute zu sehen?

Das Werk befindet sich im Museum of Fine Arts in Boston, Massachusetts, einer der bedeutendsten Kunstsammlungen Nordamerikas. Das Museum besitzt eine der weltweit herausragendsten Sammlungen japanischer Druckgrafik.

Praktische Hinweise für Ihren Besuch: Das Museum liegt im Kunstviertel von Boston und ist gut mit der U-Bahn erreichbar (Linie E, Haltestelle Museum of Fine Arts). Die Öffnungszeiten variieren; ein Blick auf die offizielle Website vor dem Besuch lohnt sich stets.

Wer das Werk sehen möchte, sollte bedenken, dass empfindliche Drucke aus Gründen des Lichtschutzes nicht immer dauerhaft ausgestellt sind. Eine Anfrage beim Museum im Voraus ist daher empfehlenswert. In direkter Nähe finden Sie außerdem bedeutende Werke von Hokusai und Hiroshige, die eine perfekte Ergänzung bieten.

Häufig gestellte Fragen

Wer sind die drei Frauen auf dem Druck?

Die drei abgebildeten Frauen sind die Geisha Tomimoto Toyohina sowie die Teehausbedienungen Naniwaya Kita und Takashima Hisa – allesamt echte Persönlichkeiten aus dem Edo der 1790er-Jahre.

Warum heißt das Werk „Drei Schönheiten der Gegenwart“?

Der Titel betont, dass es sich um Schönheiten der eigenen Zeit handelt – keine mythologischen Figuren, sondern lebende Frauen, die das Publikum persönlich kannte und bewunderte.

Was ist ein Nishiki-e-Druck?

Nishiki-e bezeichnet einen japanischen Mehrfarben-Holzschnitt, bei dem für jede Farbe eine eigene Holzplatte geschnitzt und nacheinander auf das Papier gedruckt wird. Das Ergebnis ist eine außergewöhnlich feine, farbige Druckgrafik.

Wo kann ich Drei Schönheiten der Gegenwart heute sehen?

Das Werk gehört zur Sammlung des Museum of Fine Arts in Boston. Da Drucke lichtempfindlich sind, empfiehlt sich eine Voranfrage, ob das Werk zum gewünschten Zeitpunkt ausgestellt wird.

Warum ist Utamaro so bedeutend für die Kunstgeschichte?

Utamaro verband handwerkliche Meisterschaft mit einem tiefen Verständnis für menschliche Psychologie. Er erhob den populären Holzschnitt zu einer ernsthaften Kunstform und beeinflusste damit Generationen von Künstlern in Japan und Europa.

Haben Sie Lust bekommen, noch tiefer in die Welt des Ukiyo-e einzutauchen? Entdecken Sie auf unserer Website weitere faszinierende Werke von Kitagawa Utamaro, Hokusai und anderen Meistern der japanischen Druckgrafik – jedes mit seiner eigenen Geschichte, die darauf wartet, erzählt zu werden.

Bild: Three Beauties of the Present Day – Kitagawa Utamaro (1793). Lizenz: Public Domain. Quelle: Wikimedia Commons.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert