Mona Lisa by Leonardo da Vinci, 1503

Mona Lisa

Vier Jahrhunderte lang wusste niemand sicher, wer die Frau auf diesem Bild ist. Kandidatinnen reichten von Isabella von Aragón über Leonardos Mutter bis zu Leonardo selbst in Verkleidung. Geklärt wurde die Frage 2005 – nicht von einem Kunsthistoriker, sondern von einem Handschriftenspezialisten in einer Heidelberger Bibliothek.

Wichtige Fakten

Was macht dieses Werk unvergesslich?

Die Mona Lisa ist kein Gemälde, das man einfach betrachtet – es ist eines, das zurückblickt. Dieser eigenartige Effekt entsteht durch Leonardos unvergleichliche Beherrschung des sogenannten Sfumato: einer Technik, bei der Konturen weich ineinander übergehen, als würde ein zarter Schleier über der Oberfläche liegen.

Was das Werk wirklich unvergesslich macht, ist jedoch das Lächeln. Es lässt sich nicht eindeutig deuten – ist es freundlich, melancholisch oder leicht spöttisch? Jeder Betrachter entscheidet das für sich neu. Dieses offene Rätsel hält die Mona Lisa lebendig, während andere Porträts längst in Vergessenheit geraten sind.

Außerdem brach Leonardo mit der damaligen Konvention: Er malte keine starre Profilansicht, sondern eine Dreivierteldrehung mit einer natürlichen Körperhaltung. Das war damals eine kleine Revolution in der Porträtmalerei.

Historischer Kontext

Um 1503 befand sich die italienische Renaissance auf ihrem Höhepunkt. Florenz und Mailand wetteiferten als Zentren von Kunst, Wissenschaft und Humanismus. Leonardo begann das Gemälde in Florenz, im Auftrag des Seidenhändlers Francesco del Giocondo – daher der italienische Beiname La Gioconda.

In dieser Zeit veränderte sich das Menschenbild grundlegend. Der Mensch rückte in den Mittelpunkt – nicht mehr nur als Sünder vor Gott, sondern als denkendes, fühlendes Individuum. Leonardo verkörperte diesen Geist wie kein anderer: Er war Maler, Wissenschaftler, Anatom und Ingenieur in einer Person.

Das Gemälde begleitete Leonardo zeitlebens; dem Auftraggeber hat er es nie ausgeliefert. Er nahm es mit nach Mailand und schließlich nach Frankreich, wo er 1519 am Hof von König Franz I. starb. Frankreich behielt das Bild – und so gelangte die Mona Lisa in den Besitz der französischen Krone und über die Revolution schließlich in den Louvre.

Wer sie war – geklärt im Jahr 2005

Die Identität der Dargestellten war jahrhundertelang Gegenstand des Streits. An Kandidatinnen mangelte es nicht: Isabella von Aragón, Leonardos Mutter, eine Geliebte Giuliano de‘ Medicis, und in der phantasievollsten Variante Leonardo selbst in Frauenkleidern.

Geklärt wurde die Frage 2005 – und zwar beiläufig.

Armin Schlechter, Handschriftenspezialist an der Universitätsbibliothek Heidelberg, katalogisierte eine Inkunabel: eine Ausgabe der Cicero-Briefe von 1477. Am Rand fand er eine Notiz mit dem Datum Oktober 1503, geschrieben von Agostino Vespucci, einem Beamten der Florentiner Kanzlei, der Leonardo persönlich kannte.

Vespucci vergleicht den Maler mit dem griechischen Apelles und zählt auf, woran dieser gerade arbeitet. Eines der genannten Werke ist ein Bildnis der Lisa del Giocondo.

Die Notiz ist zeitgenössisch, beiläufig – Vespucci schrieb nicht über das Gemälde, sondern nebenbei – und hatte keinerlei Grund zu täuschen.

Die Frage ist damit beantwortet. Die meisten populären Darstellungen haben es bis heute nicht zur Kenntnis genommen. Es ist einer von mehreren jahrhundertealten Streitfällen, die in den letzten zwei Jahrzehnten entschieden wurden. Hier sind die übrigen.

Symbolik und worauf man achten sollte

Stellen Sie sich vor, Sie stehen direkt vor dem Gemälde. Richten Sie Ihren Blick zunächst auf den Hintergrund: Hinter der Frau erstreckt sich eine phantastische Landschaft mit gewundenen Wegen, Brücken und einem tiefblauen Dunst. Diese Landschaft entspricht keiner realen Gegend. Achten Sie darauf, dass der Horizont links und rechts auf unterschiedlicher Höhe liegt – eine bewusste Störung, die dem Bild etwas Schwebendes gibt.

Achten Sie außerdem auf die Hände. Sie sind entspannt und natürlich übereinandergelegt – ein Zeichen innerer Ruhe und Würde, das Leonardo mit großer anatomischer Sorgfalt ausgearbeitet hat.

Dann ist da noch das Licht. Es fällt weich und gleichmäßig, erzeugt kaum harte Schatten und lässt das Gesicht fast dreidimensional wirken. Genau hier entfaltet Leonardos Sfumato seine größte Wirkung: Die Übergänge zwischen Licht und Schatten sind so sanft, dass man keine klare Grenze ziehen kann.

Schließlich lohnt ein Blick auf die Augenbrauen – oder vielmehr auf deren Fehlen. Infrarotuntersuchungen deuten darauf hin, dass Leonardo sie ursprünglich malte und sie im Lauf der Jahrhunderte durch unsachgemäße Reinigung verloren gingen.

Über Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci wurde 1452 in Vinci, einer kleinen Stadt in der Toskana, geboren. Als unehelicher Sohn eines Notars hatte er keinen Zugang zu einer klassischen universitären Ausbildung – und nutzte das als Freiheit. Er beobachtete, experimentierte und zeichnete unermüdlich.

Als Jugendlicher trat er in die Werkstatt des Florentiner Meisters Andrea del Verrocchio ein. Dort entwickelte er sein handwerkliches Können und seinen unersättlichen Wissensdurst. Später arbeitete er für Ludovico Sforza in Mailand, dann für Cesare Borgia und schließlich für den französischen König.

Leonardo hinterließ zwar nur wenige vollendete Gemälde, doch jedes einzelne ist ein Meilenstein. Neben der Mona Lisa zählen Das Abendmahl und Die Dame mit dem Hermelin zu seinen bekanntesten Werken. Er starb 1519 in Amboise, Frankreich.

Vermächtnis und Einfluss

Die Mona Lisa hat die Kunstgeschichte nachhaltig geprägt. Ihre Komposition – die Dreivierteldrehung, die Landschaft im Hintergrund, die natürliche Haltung – wurde zum Vorbild für Generationen von Porträtmalern. Raffael, der Leonardo persönlich kannte, übernahm sichtlich Elemente dieser Bildsprache in seine eigenen Werke.

Im 20. Jahrhundert wurde das Gemälde zum Inbegriff der Hochkultur schlechthin – und damit zum idealen Ziel für Parodien. Marcel Duchamp versah 1919 eine Reproduktion mit Schnurrbart und Bart (L.H.O.O.Q.). Andy Warhol vervielfältigte das Bild in seinen typischen Siebdrucken.

Darüber hinaus hat der Diebstahl von 1911 – das Gemälde blieb über zwei Jahre verschwunden – die globale Bekanntheit der Mona Lisa noch weiter gesteigert.

Wenig bekannt ist, dass es eine zweite Mona Lisa gibt. Der Prado in Madrid besitzt eine Fassung, die lange als spätere Kopie galt. Eine Restaurierung 2011/12 entfernte die schwarze Übermalung des Hintergrunds, und die Analyse der Unterzeichnung ergab, dass ihre Korrekturen denen Leonardos Strich für Strich folgen. Sie entstand also gleichzeitig mit dem Original, in derselben Werkstatt, an einer Staffelei daneben. Da sie nie über Jahrhunderte hinweg neu gefirnisst wurde, zeigt sie Farben, die den ursprünglich aufgetragenen näherkommen.

Wo ist das Werk heute zu sehen?

Die Mona Lisa hängt im Louvre in Paris, im Saal 711 des Denon-Flügels, hinter Panzerglas in einer klimatisierten Vitrine – die Pappelholztafel reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und Temperatur.

Der Louvre ist dienstags geschlossen. Tickets sollten Sie unbedingt im Voraus online kaufen – die Warteschlangen können mehrere Stunden betragen. Öffnungszeiten und Abendtermine finden Sie auf der Website des Museums.

Ein praktischer Tipp: Besuchen Sie das Gemälde früh morgens oder an einem der Abende mit verlängerter Öffnung. Dann ist der Andrang deutlich geringer.

Im selben Saal hängt außerdem Veroneses riesige Hochzeit zu Kana an der gegenüberliegenden Wand – von den meisten Besuchern völlig ignoriert, während sie sich vor der Mona Lisa drängen. Im selben Flügel liegen auch Delacroix‘ Die Freiheit führt das Volk und die Nike von Samothrake.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist die Mona Lisa so berühmt?

Die Mona Lisa verbindet technische Meisterschaft, ein rätselhaftes Lächeln und eine bewegte Geschichte – inklusive eines spektakulären Diebstahls 1911. All das macht sie zum bekanntesten Gemälde der Welt.

Wer ist die Frau auf der Mona Lisa?

Lisa Gherardini, die Ehefrau des Florentiner Seidenhändlers Francesco del Giocondo. Die Identifizierung stützt sich auf eine Randnotiz vom Oktober 1503, verfasst von dem Kanzleibeamten Agostino Vespucci, der Leonardo kannte. Sie wurde 2005 in einer Heidelberger Bibliothek entdeckt und nennt ein Bildnis der Lisa del Giocondo unter den Arbeiten, die Leonardo damals in Arbeit hatte.

Warum lächelt die Mona Lisa so geheimnisvoll?

Leonardo nutzte die Sfumato-Technik, um die Mundwinkel in weichen Schatten zu hüllen. Dadurch wirkt das Lächeln je nach Blickwinkel und Licht unterschiedlich – mal freundlich, mal melancholisch, mal neutral.

Wurde die Mona Lisa jemals gestohlen?

Ja. Im August 1911 stahl der italienische Handwerker Vincenzo Peruggia, ein ehemaliger Louvre-Mitarbeiter, das Gemälde. Er bewahrte es über zwei Jahre in seiner Pariser Wohnung auf, brachte es Ende 1913 nach Florenz und versuchte, es einem Kunsthändler zu verkaufen. Dieser alarmierte die Polizei. Im Januar 1914 hing die Mona Lisa wieder im Louvre.

Wie groß ist die Mona Lisa wirklich?

Das Gemälde misst 77 × 53 Zentimeter – viele Besucher sind überrascht, wie klein es tatsächlich ist, da man es aus unzähligen großformatigen Reproduktionen kennt.

Hat Sie die Mona Lisa neugierig auf weitere Meisterwerke der Renaissance gemacht? Entdecken Sie etwa Die Erschaffung Adams Michelangelos oder Die Schule von Athen Raffaels.

Bild: Mona Lisa – Leonardo da Vinci (um 1503–1517). Lizenz: Public Domain. Quelle: Wikimedia Commons.

Ähnliche Beiträge

  • Whistlers Mutter

    Ein Gemälde, das ursprünglich keinen Namen haben sollte – und dennoch zur bekanntesten Mutter der Kunstgeschichte wurde: Whistlers Mutter entstand 1871 fast zufällig, weil das eigentlich geplante Modell nicht erschien. Anna McNeill Whistler sprang für ihre Tochter ein, setzte sich in einen schlichten Holzstuhl, und ihr Sohn James schuf ein Werk, das die Welt nicht…

  • Die Jäger im Schnee

    Stellen Sie sich vor: Ein einziges Gemälde hat Generationen von Filmemachern, Dichtern und Malern so tief beeinflusst, dass es heute als eine Art visueller Urtext des europäischen Winters gilt. Die Jäger im Schnee von Pieter Bruegel dem Älteren, entstanden im Jahr 1565, zeigt eine Winterlandschaft von so atemberaubender Unmittelbarkeit, dass Betrachter noch Jahrhunderte später das…

  • Sternennacht über der Rhône

    Eine sternenklare Nacht im September 1888 – und Vincent van Gogh stand mit seiner Staffelei am Ufer der Rhône in Arles, malte bei Kerzenlicht und unter freiem Himmel. Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Nachtschicht ist Sternennacht über der Rhône, ein Gemälde, das beweist: Dunkelheit kann leuchten wie kaum etwas anderes. Wichtige Fakten Künstler: Vincent van Gogh…

  • Die Schule von Athen

    Ein einziges Fresko veränderte die Geschichte der abendländischen Kunst für immer – und es zeigt keine Heiligen, sondern Philosophen: Die Schule von Athen versammelt über fünfzig Denker der Antike in einem einzigen, atemberaubenden Bildraum. Was kaum jemand weiß: Raphael verbarg sein eigenes Porträt bescheiden am rechten Rand – als stiller Zeuge eines intellektuellen Wunders. Wichtige…

  • Der Schrei

    Ein einziger Blick genügt, und man vergisst ihn nie mehr: Der Schrei – auf Norwegisch Skrik – wurde 1893 von Edvard Munch geschaffen. Am Himmel, links oben, verläuft eine kaum sichtbare Bleistiftzeile: Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein. Jahrzehntelang galt sie als Vandalismus. 2021 stellte sich heraus, dass Munch sie selbst geschrieben hat….

  • Die kämpfende Temeraire

    Eine überraschende Tatsache vorweg: Als The Fighting Temeraire – auf Deutsch oft Die kämpfende Temeraire – 1839 in der Royal Academy ausgestellt wurde, weinten Besucher vor dem Gemälde. Ein Kriegsschiff brachte Menschen zum Weinen – nicht wegen des Krieges, sondern wegen des Endes einer Ära. Wichtige Fakten Künstler: J. M. W. Turner Jahr: 1839 Technik:…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert