The Kiss by Gustav Klimt, 1908

Der Kuss

Ein einziges Gemälde wurde 1908 für 25.000 Kronen angekauft – noch bevor die Ausstellung überhaupt zu Ende war. Der Kuss von Gustav Klimt begeisterte das Wiener Publikum so sehr, dass der österreichische Staat sofort zuschlug. Dieses außergewöhnliche Werk gilt heute als eines der bekanntesten Gemälde der Welt.

Wichtige Fakten

Was macht dieses Werk unvergesslich?

Der Kuss ist kein gewöhnliches Liebespaar-Porträt. Klimt löst die Körper der beiden Menschen fast vollständig in ornamentale Muster auf. Man sieht kaum Gesichter, kaum Hände – und doch spürt man die Intensität des Moments sofort.

Das Gemälde verschmilzt Figur und Fläche auf eine Weise, die bis dahin kaum jemand gewagt hatte. Das Paar kniet am Rand einer Blumenwiese, umgeben von goldenen Ornamenten. Diese Grenze zwischen Realität und Traum macht Der Kuss so zeitlos fesselnd.

Außerdem ist das Werk quadratisch – ein bewusster Bruch mit der klassischen Bildkomposition. Klimt schafft damit einen geschlossenen, meditativen Raum, der den Betrachter vollständig einhüllt.

Historischer Kontext

Wien um 1900 brodelte vor künstlerischer Energie. Die Wiener Secession, die Klimt 1897 mitgegründet hatte, wandte sich gegen die steifen Akademien und öffnete die Kunst für neue Ideen aus Japan, Byzanz und dem europäischen Jugendstil.

Gleichzeitig erlebte das Habsburgerreich seine letzten glänzenden Jahrzehnte. Die Gesellschaft war wohlhabend, aber auch voller Widersprüche. Sigmund Freud veröffentlichte in genau dieser Zeit seine Studien über das Unbewusste. Klimt antwortete mit Bildern, in denen Sinnlichkeit und Schönheit offen gezeigt wurden – eine kleine Revolution.

1907 und 1908 befand sich Klimt auf dem Höhepunkt seiner sogenannten „Goldenen Periode“. Der Kuss entstand also in einem Moment, als alles stimmte: Technik, Kontext und persönliche Reife des Künstlers.

Symbolik und worauf man achten sollte

Wenn Sie vor dem Kuss stehen, beginnen Sie mit dem Gold. Klimt verwendete echtes Blattgold, das im Licht schimmert und flimmert. Daher wirkt das Bild lebendig – fast wie ein Mosaik.

Achten Sie dann auf die Ornamente der Gewänder. Das Kleid der Frau ist mit Blumen und runden Formen geschmückt – feminine, organische Muster. Das Gewand des Mannes hingegen trägt geometrische, rechteckige Muster in Schwarz und Weiß. Dieser Kontrast steht symbolisch für die Ergänzung der Geschlechter.

Bemerkenswert ist auch die Körperhaltung: Die Frau hält die Augen geschlossen, der Mann beugt sich zu ihr hinab. Sein Gesicht ist halb verborgen. Wer genau hinschaut, entdeckt, dass ihre Zehen über den Rand des Felsens hinausragen – als würden die beiden im nächsten Moment ins Unendliche entschweben.

Die Blumenwiese am unteren Bildrand erdet das Paar gleichzeitig in der Natur. So verbindet Der Kuss das Irdische mit dem Göttlichen auf wunderbar elegante Weise.

Über Gustav Klimt

Gustav Klimt wurde 1862 in Baumgarten bei Wien geboren. Sein Vater war Goldgraveur – kein Zufall, dass Gold später eine so große Rolle in seinem Werk spielen sollte. Klimt studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule und begann als erfolgreicher Dekorationsmaler.

Doch er wollte mehr. Er gründete 1897 die Wiener Secession, brach mit dem Kunstestablishment und entwickelte einen völlig eigenen Stil. Seine Gemälde verknüpften Symbolismus, Jugendstil und byzantinische Einflüsse zu etwas völlig Neuem.

Klimt lebte zurückgezogen, aber intensiv. Er unterhielt viele enge Beziehungen und ließ sich von Frauen wie Emilie Flöge inspirieren. Sein Werk blieb bis zu seinem Tod 1918 produktiv und einflussreich. Der Kuss gilt als sein vollkommenstes Meisterwerk.

Vermächtnis und Einfluss

Der Kuss hat die Popkultur dauerhaft geprägt. Das Motiv erscheint auf Postern, Tassen, Taschentüchern und Schmuck in aller Welt. Kaum ein anderes Gemälde wurde häufiger reproduziert.

Künstlerisch ebnete das Werk den Weg für den Expressionismus. Klimts Schüler Egon Schiele übernahm die Freizügigkeit, steigerte sie jedoch ins Rohe und Verstörende. Oskar Kokoschka entwickelte auf ähnliche Weise seinen kraftvollen, emotionalen Stil.

Darüber hinaus inspirierte Der Kuss Generationen von Designern, Illustratoren und Filmemachern. Die Verbindung von dekorativem Muster und menschlicher Emotion bleibt bis heute ein lebendiges Erbe der Moderne.

Wo ist das Werk heute zu sehen?

Das Original hängt im Oberen Belvedere in Wien. Das Museum befindet sich im 3. Bezirk, Prinz-Eugen-Straße 27, und ist mit der Straßenbahn oder dem Bus bequem erreichbar.

Der Kuss ist dauerhaft in der ständigen Sammlung ausgestellt. Es empfiehlt sich, Tickets online zu kaufen – vor allem in der Hochsaison. Die Wartezeiten am Einlass können sonst lang sein.

Im selben Haus befinden sich weitere Meisterwerke von Klimt, darunter „Judith I“ und „Hygieia“. Außerdem lohnt sich ein Besuch des wunderschönen Barockgartens, der das Schloss umgibt. Wer tiefer in Klimts Welt eintauchen möchte, besucht anschließend das Leopold Museum im MuseumsQuartier – dort hängen bedeutende Werke von Egon Schiele.

Häufig gestellte Fragen

Wer sind die Personen auf „Der Kuss“?

Die Identität des Paares ist nicht eindeutig belegt. Viele Kunsthistoriker vermuten, dass Klimt sich selbst und seine langjährige Gefährtin Emilie Flöge dargestellt hat. Gesichert ist dies jedoch nicht.

Warum verwendete Klimt Gold in dem Gemälde?

Klimt ließ sich von byzantinischen Mosaiken und japanischer Kunst inspirieren. Gold steht für Ewigkeit und Göttlichkeit. Außerdem schuf sein Goldschmied-Vater in ihm früh eine tiefe Faszination für dieses Material.

Wie groß ist „Der Kuss“ wirklich?

Das Gemälde ist quadratisch und misst 180 × 180 Zentimeter. Es wirkt dadurch monumental – fast wie ein Altar oder ein Andachtsbild.

Wann wurde „Der Kuss“ zum ersten Mal ausgestellt?

Das Werk wurde 1908 auf der Wiener Kunstschau unter dem Titel „Liebespaar“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der österreichische Staat kaufte es noch während der Ausstellung.

Gehört „Der Kuss“ zur Art Nouveau?

Ja, das Gemälde gilt als ein Hauptwerk des Jugendstils. Die organischen Ornamente, das dekorative Flächenmuster und die Verbindung von Kunst und Handwerk sind typische Merkmale dieser Stilrichtung.

Sie möchten mehr über die faszinierende Welt des Jugendstils und der Wiener Moderne erfahren? Entdecken Sie auf unserer Website weitere Meisterwerke von Gustav Klimt und seinen Zeitgenossen – es lohnt sich!

Bild: The Kiss – Gustav Klimt (1908). Lizenz: Public Domain. Quelle: Wikimedia Commons.

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